“The Band” startet in München (bis 3.11.2019 im Deutschen Theater)

0
75635
Premiere
Premiere "The Band" im Deutschen Theater München ©Foto: Susanne Brill

Da ist es schon wieder… Ein weiteres neues Jukebox-Musical. Was schon mit Udo Jürgens, Reinhard Fendrich, ABBA, Queen und Co. funktionierte muss doch auch mit Take That funktionieren. Aber tut es das wirklich?

Der große Vorteil: Gedanken über Ohrwürmer und eingängige Musik muss man sich nicht machen, wenn man in „The Band“ geht. Die Songs funktionieren alle. Das haben ja schon die Originalinterpreten ausreichend erprobt. Und so wurde auch zur Premiere im Deutschen Theater in München je nach Song fröhlich mit geklatscht und sitzend getanzt oder auch mal andächtig und leise mitgesummt.

Premiere “The Band” im Deutschen Theater München ©Foto: Susanne Brill

Der Nachteil dieser Jukebox-Musicals: Die oft über Jahre hinweg entstandenen Originalsongs unterschiedlichster Natur müssen auf einmal in ein Konzept und einen roten Faden passen. So verwundert es nicht, dass die Story, wenn auch von der Grundidee her gut, oft konstruiert wirkt und die Sprünge durchaus groß sind. Teils auch etwas konstruiert und vor allem langatmig sind die Dialogpassagen zwischen den Songs. Dafür sind die stark choreographierten Tanz- und Gesangsnummern umso energiegeladener.

Das Cast ist eingespielt, spielfreudig und harmoniert extrem gut. Sicher eine Folge der bereits 5 Monate, die man genau in dieser Konstellation das Stück erfolgreich in Berlin aufführte- Aber auch ein Beleg dafür das die Chemie unter den Kollegen wirklich stimmt. Jedes zu zwinkern, jedes anlächeln, jede noch so kleine Geste wirkte echt. Stimmlich waren “The Band” und die “jungen Freundinnen” brillant. Die älteren Freundinnen jedoch verloren über die Jahre allerdings wohl an Stimmkraft. Da das Stück keine Solonummern vorsieht, war es auch schwer einzelne Schwächen auszumachen, umso mehr erfreute die Stärke der Ensemblenummern.

Premiere “The Band” im Deutschen Theater München ©Foto: Susanne Brill

Namentlich ist dieser Cast nicht wirklich bekannt (was deren Qualität aber keinesfalls schmälert, spätestens jetzt sollten sie in der Szenen einen Namen haben). Einzig Yvonne Köstler kennt man aus „Tanz der Vampire“ und natürlich Prince Damian, der den Ruf seiner DSDS-Vorgänger folgte und genauso wie Alexander Klaws (Tanz der Vampire/Tarzan/Ghost), Juliette Schoppmann (Chicago) und Marie Wegener (Die Schöne und das Biest) auf die Bühne ging.

Prince Damien im Cast von “The Band” ©Foto: Dirk Schiff

Wenn wir über das Bühnenbild von Jon Bausor und Adam Bassett und somit auch die Optik dieses abends sprechen, so sollte nicht unerwähnt bleiben das „The Band“ optisch bei den meisten Zuschauer*innen durchaus ähnliche Gefühle und Freude auslösen, wie ihre Vorlage aus den 1990 Jahren. Auch das restliche Bühnenbild wusste zu überzeugen. Oft einfach gehalten, dennoch sehr präzise immer da, wo es notwendig war mit etwas Washlight, Bodennebel und Pyroeffekten gespickt. So war das Stück nicht überladen, sondern wirkte glaubhaft und ehrlich.

Umjubelte Premiere von The Band from Deutsches Theater München on Vimeo.

Apropos glaubhaft und ehrlich. Es flossen Tränen, oft vor Lachen, aber tatsächlich auch aus Trauer. Dieses Stück berührt alle Sinne und Gefühle.

Wer bereit ist sich etwas aus den sklavischen Fesseln der kunterbunten, kitchigen Disney Musicalproduktionen zu lösen und sich in eine Welt fallen lässt in der herzhaft gelacht, aber auch leise geschluchzt werden darf, wer 5 Jungs sehen möchte die man auch anschauen würde, wenn sie nur auf der Bühne stehen würden und nichts täten und wer mal wieder die Songs und das Gefühl einer Zeit erleben will, in der wir alle noch Jung waren, für den ist dieses Stück genau das Richtige.

Premiere “The Band” im Deutschen Theater München ©Foto: Susanne Brill
TEILEN
Vorheriger ArtikelDas Hofspielhaus in München feiert 4. Geburtstag und vergibt den “Preis der Leidenschaft”
Nächster Artikel“Wir werden dein Gasthaus meiden” – Schwuler Wirt, bekommt Hass-Brief aus Angst vor Ansteckungsgefahr
Unser Autor Alex Kolbe schreibt für VOISZ.com primär über Gastronomie und Kultur. Er absolvierte seine Kochausbildung im renommierten „Feringa Park Hotel“ und wurde noch während seiner Ausbildung 4. in der Stadtmeisterschaft der Köche. Nach seiner Ausbildung zog es ihn in das „Innside Hotel“ mit seiner modernen, experimentelle Küche, das als Flaggschiff der beiden Sterne erfahrenen Gourmetköche Andreas Beilhack und Alexander Plischek gilt. Nach zahlreichen renomierten Stationen in Deutschland und Österreich leitet er mittlerweile seine eigene Cateringagentur "Royalmeal Eventcatering". Neben dem Kochen ist das Theater ein weiteres Steckenpferd von Alex Kolbe. Ob als Schauspieler oder Regisseur hat er in diesem Bereich schon erste Erfahrungen machen dürfen. Regelmäßig zieht es ihn nach Hamburg, Berlin, London und vor allem nach Wien wo er bereits Freundschaften zu den großen Darstellern der Branche hegt. Inzwischen gibt es kaum ein relevantes Musical was Alex Kolbe noch nicht in der Originalinszenierung gesehen hat und die wenigen die es doch noch gibt, die stehen sicher schon auf der To-Do Liste unseres Redakteurs.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here