Statement von Peter Panzer zur Veröffentlichung der Biografie “Daniel Küblböck – So war er wirklich”

1
1104
Peter Panzer ©Foto by Marek & Beier Fotografen
Peter Panzer ©Foto by Marek & Beier Fotografen

Seit einigen Wochen kommen immer mehr Berichte zu einer Buchveröffentlichung, die eine Art Biografie über Daniel Küblböck darstellen soll, auf. Die Familie von Daniel Küblböck hat sich öffentlich gegen diese Veröffentlichung ausgesprochen, bezeichnet diese als „respektlos“ und wirft der Autorin „Geldmacherei“ vor.

Die Autorin selbst gibt an, hier ausschließlich positiv dargestellt ihre persönlichen Erlebnisse mit Daniel zu dokumentieren und ihm dadurch ein Denkmal setzen zu wollen. Die Autorin stellt sich in einigen Interviews als Geläuterte dar, die nun traurig ist, weil Daniels Familie nicht mal das Buch vorab lesen wollte. „Ich habe ihr [der Familie, Anm. des Autors] angeboten, das Buch zu lesen, dann wäre die ganze Sache vom Tisch“.

Taktgefühl?

Hierzu kommen bei mir direkt ein paar Fragen an die Autorin auf: Sie bieten einer Familie, die um ihren Sohn trauert, ein Buch zu lesen an, in diesem Sie (als eine für die Familie wildfremde Person) den Sohn beschreiben. Beworben wird dieses Buch dann auch noch „als die einzig wahre Geschichte über Daniel Küblböck“ und wundern sich, dass die Familie Ihnen nicht freudestrahlend um den Hals fällt? Glauben Sie nicht, dass die Eltern ihren Sohn vielleicht etwas besser kennen könnten, als Sie es tun? Gibt es auch nur ein Wort in diesem Buch, dass Ihrer Meinung nach, das Bild der Eltern auf ihren Sohn ändern könnte? Und was soll dieses verletzte Gehabe, weil eine trauernde Familie sich nicht um Ihre Gefühle schert und Ihr Buch nicht lesen will? Wie wenig Taktgefühl kann man denn bitte haben?

“Das perfekte Weihnachtsgeschenk”

Jeder geht natürlich anders mit seiner Trauerbewältigung um und für Sie ist der wohl passende Weg, sich die Erlebnisse mit Daniel Küblböck von der Seele zu schreiben. Doch sollte man, meiner Meinung nach, niemals  jemanden aus seiner eigenen Trauer heraus verletzen. Aber genau das tun Sie mit diesem Buch! Nicht unbedingt mit dem Inhalt, den ich nicht kenne und den Sie als ausschließlich positiv umschreiben. Doch zumindest damit, dass zwangsläufig das Gefühl hervorgerufen wird, sich am Tod von Daniel Küblböck bereichern zu wollen.

Der Vorwurf der Bereicherung durch die Familie Küblböck gegen Sie ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Sie und der Verlag verdienen nunmal mit dem Schreiben und Verkaufen des Buches Geld und bewerben dieses zudem noch als „das perfekte Weihnachtsgeschenk“ für seine Fans.

Die einzig wahre Geschichte?

Es dann auch noch als „einzig wahre Geschichte“ zu bezeichnen, entbehrt jeglichen Bezug zur Realität. Denn es ist tatsächlich nur ihre eigene Geschichte mit Daniel. Die Geschichte einer Stylistin, die ihn in der Ausübung ihres Berufs kennenlernen durfte. Vielleicht sogar darüber hinaus ein paar private Augenblicke mit ihm erleben durfte. Nicht mehr und schon gar nicht der “einzig wahre Einblick” auf seine Person. Wie anmaßend.

Vor allem eines: Grabräuberei!

Es bleibt daher der komische Beigeschmack des “sich bereichern wollen”. Und wenn es Ihnen so wichtig wäre, ihm damit ein „Denkmal“ zu setzen, dann sollten Sie dieses Denkmal auch mit den Einnahmen daraus untermauern. Dies könnten Sie zumindest damit erreichen, die Einnahmen für einen guten Zweck, der zu Daniel Küblböck passen würde, zu spenden. So würden Sie zugleich den Vorwurf der “Geldmacherei” aus der Welt räumen. Die Respektlosigkeit gegenüber der Familie und Angehörigen bliebe dennoch bestehen. Aber es wäre zumindest ein Zeichen, dass Sie noch etwas menschliches in sich tragen.

Andernfalls ist es nicht nur die von Ihnen als positive Erinnerung dargestellte Biografie, sondern vor allem eines: Grabräuberei! Und das an einem Grab , dessen Bewohner noch nicht für Tod erklärt wurde und das es nicht einmal in der Form eines Grabsteins gibt!

UPDATE vom 14.12.2018

Die Autorin hat sich via facebook am 14.12.2018 zu dem Statement hier, wie folgt geäußert:

“Lieber Peter Panzer,

vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen und einen so ausführlichen Bericht zu meiner Person geschrieben haben. Leider ist Ihnen dabei ein kleiner Fehler unterlaufen. Keineswegs habe ich meine Geschichte mit Daniel als die einzig wahre Geschichte bezeichnet. Das würde ich niemals tun! Aber recht herzlichen Dank. Was für eine großartige Idee für Band 2! Weiterhin tut mir sehr leid, dass Sie nach eigenen Aussagen Daniel
als schwierig, laut und aggressiv erlebt haben. Bei mir war er nie so! Ferner kann ich Ihnen versichern, dass ich in meinem so stark kritisierten Buch weder von wilden, durchzechten Nächten berichte, noch mich nicht zu den belasteten (wie Sie es nennen!) Familienverhältnissen äußere. Auch werden Sie von mir keinerlei Mutmaßungen über die Umstände von Daniels Verschwinden (Zitat „Panzer hält es für möglich, dass dieser Dämon der Grenzüberschreitung Daniel Küblböck auch auf dem Schiff geritten haben könnten“) finden.

Ganz im Gegensatz zu Ihnen!

Liebe Grüße an Sie und auch an Paul

Herzlichst
Nicole Prylutzki”

Hierzu stelle ich wie folgt fest:
Die Autorin verweist u.a. über ihren facebook-Account auf ihre Homepage https://nicole-prylutzki.jimdofree.com, wo sie ihr Buch tatsächlich als “einzig wahre Geschichte” anpreist.

Die Aussage: “Leider ist Ihnen dabei ein kleiner Fehler unterlaufen. Keineswegs habe ich meine Geschichte mit Daniel als die einzig wahre Geschichte bezeichnet. Das würde ich niemals tun!” ist somit nachweislich falsch!




TEILEN
Vorheriger ArtikelDragqueen-Special: Ikenna Benéy Amaechi
Nächster ArtikelFlorian Silbereisen wird neuer Kapitän vom Traumschiff
Peter Panzer ist Inhaber von PAN Medien und Herausgeber von VOISZ.com Seit 2004 ist er fester Bestandteil der schwul-lesbischen Medienwelt und wurde für diese Arbeit bereits mehrfach ausgezeichnet. Als gelernter Verlagskaufmann war er u.a. als Chefredakteur der blu München, als stellv. Chefredakteur der blu Deutschland und als Chefredakteur des Portals romeoliebtjulian.com tätig. Zudem moderierte er für den Online-TV-Channel „RLJ TV“ mehrere Sendungen und war CO-Moderator in div. lokalen TV-Formaten. Als freier Journalist arbeitete er für nahezu alle LGBTIQ-Medien in Deutschland und Österreich. Seit 2013 bringt Peter Panzer mit PAN Medien u.a. den Eventguide „SzeneTimer“, sowie die „CityMap MUNICH“ heraus.

1 KOMMENTAR

  1. Vielen Dank für das Statement zu dieser geschmack- und respekt Aktion der Dame. Die grösste finanzielle Notlage rechtfertigt für mich nicht das Ausschlachten des Schicksals eines als “kleiner Bruder” bezeichneten Menschen, der von Familie, Freunden und Fans schmerzlich vermisst wird. Ich bin fassungslos, wie man so skrupellos auf deren Gefühlen herumtrampeln und ihnen das noch als Geschenk verkaufen wollen kann.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here