Special: Queen of Drags – Interview mit Vava Vilde

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Queen of Drags-Teilnehmer/in Vava Vilde ©Foto: ProSieben/Boris Breuer, Bildredakteur: Susi Lindlbauer
Queen of Drags-Teilnehmer/in Vava Vilde ©Foto: ProSieben/Boris Breuer, Bildredakteur: Susi Lindlbauer

Fantasievoll, futuristisch, wild: Vava Vilde ist eine Drag Queen von einem anderen Planeten. Mit ihren teilweise selbst designten und gebastelten – oft galaktischen und futuristischen – Outfits und ihren oft komödiantischen Lip-Sync-Performances verzaubert Vava seit acht Jahren regelmäßig ihr Publikum. Aber auch hinter der Bühne setzt sie sich für die LGBTQ-Szene ein: In ihrer Freizeit engagiert sie sich leidenschaftlich und ehrenamtlich beim Präventionsteam der AIDS-Hilfe Stuttgart, beim queeren Verein ihs e.V. und dem LSBTTIQ-Zentrum Weissenburg Stuttgart. Erobert Vava Vilde jetzt auch das „Queen of Drags“-Universum?

Welche Geschichte steckt hinter Deinem Drag Queen Namen?
Der Name leitet sich vom Spruch „Vavavoom“ ab. Den hätte man aber auf Googlenichtgefunden. „Vava“ ist schön kurz und ich wollte, dass Vor-und Nachname den gleichen Anfangsbuchstaben haben. Vilde ist ein Wortwitz, da wir im Deutschen das englische W wie im Wort „wild“ meist nicht richtig aussprechen.

Erzähle uns von Deinem Leben alsDrag Queen: Seit wann bist Du Drag? Hast Du Vorbilder? Was fasziniert Dich an der Drag-Kunst?
Ich habe 2011 über mein Ehrenamt bei der AIDS-Hilfe Stuttgart mit Drag angefangen. Konkrete Drag-Vorbilder habe ich eigentlich nicht, auch wenn es viele Drag Queens gibt, die ich für das bewundere, was sie erreicht haben. Die Drag-Kunst ermöglicht es uns, alle möglichen Ideen, Fantasien und Talente auszudrücken.

Wer oder was inspiriert Dich?
Ich habe zwar keine konkreten Idole, aber grundsätzlich inspirieren michviele Dinge: Popkultur, Musik, Mode, Kunst, Natur, … Zum Beispiel habe ich einmal ein Outfit gebastelt, das wie flüssigeLava aussieht, weil ich die Textur und die Farbe so spannend fand. Die Art, wie Lady Gaga sich tagtäglich kompromisslos neu erfunden hat und neue Identitäten geschlüpft ist, hat mich sehr fasziniert und inspiriert.

Queen of Drags-Teilnehmer/in Vava Vilde ©Foto: ProSieben/Boris Breuer, Bildredakteur: Susi Lindlbauer
Queen of Drags-Teilnehmer/in Vava Vilde ©Foto: ProSieben/Boris Breuer, Bildredakteur: Susi Lindlbauer

Was ändert sich (charakterlich) für Dich, wenn Du in Dein Outfitschlüpfst? Wer bist Du vorher, wer dann? Welchen Reiz hat für Dich das Spiel mit den Geschlechtern?
Ich glaube, als Vava bin ich kein komplett anderer Mensch. Nur die Intensität ist anders. Vava betont vielleicht Aspekte, die ohne Drag weniger ausgeprägt sind und gibt mir die Möglichkeit, auch düstere Seiten zu erschaffen, wo ich im echten Leben sehr fröhlich bin. Ich versuche in Drag allgemein, immer nett zu allen zu sein. Gleichzeitig gibt Vava mir eine Autorität, auf die ich im Alltag weniger bestehe. Drag ist eine Möglichkeit, sich einen eigenen Superhelden zu kreieren und Menschen auch herauszufordern.

Welche Rolle spielen die Outfitsund das Make-up bei der Verwandlung zur Drag Queen? Sind sie vielleicht gar nicht so wichtig, wie viele denken? Oder doch?
Ich liebe den Aspekt der Verwandlung an Drag. So kann man immer ganz neue Welten kreieren. Ich denke,irgendeine Art von Verwandlung vom Alltag braucht es für Drag. Wie groß diese sein muss, ist aber vermutlich jedem selbst überlassen. Drag ist mehr ein Gefäß für unsere Talente. Welche Talente und in welchem „Gefäß“,ist vermutlich sehr individuell abhängig. Auch ein Lieblingskleidungsstück, in dem wir uns gut fühlen, kann im Alltag Drag und Rüstung sein.

Was sagen Deine Familie und Freund*Innen zu Deiner Kunstfigur?
Meine Familie und Freunde unterstützen mich fantastisch bei Drag. Da habe ich riesiges Glück!

Was macht deutsche Drag Queens im internationalen Vergleich so besonders?
Deutschland hat eine andere Drag-Traditionals andere Länder. Wir haben hier eine lange Tradition von Travestie, die für lange Zeit vor allem im Theater verankert war, z.B. mit Live-Gesang, Parodien, etc. In den USA z.B. ist Drag mehr in den Clubs verankert. In einer anderen Kultur und mit anderen Popkulturreferenzen aufzuwachsen, verändert natürlich auch das jeweilige Drag.

Was muss eine „Queen of Drags“ Deiner Meinung nach alles mitbringen? Und warum glaubst Du, hast Du den Titel verdient?
Ich denke,eine „Queen of Drags“ sollte möglichst vielseitig talentiert sein, sich verwandeln können und für Dinge einstehen. Ich erwarte gute Ideen und Konzepte, gute Unterhaltung und gleichzeitig auch, herausgefordert zu werden.Eine klare Identität und Einzigartigkeit. Ich möchte Überraschung, Innovation und Neuschöpfung. Ich denke, dass ich all das liefern kann.

Was ist Deine Paradedisziplin als Drag Queen?
Ich habe großen Spaß am Kreieren von Looks und am Performen

Wo siehst Du Dich als Drag Queen? Einzelkämpfer*in oder Teamplayer? Peagant-Queen oder Performer? Fun-Girl oder Drag-Aktivist*in?
Ich bin Teil eines tollen Drag-Hauses, House of V.Dort sind wir ein tolles Team an Freunden. Davor war ich aberauch jahrelang Einzelkämpfer in Drag. Ich versuche, mich in Drag nicht zu ernst zu nehmen, habe aber schon immer versucht, mich auch ehrenamtlich zu engagieren oder mit Drag wichtige Dinge anzusprechen.

Was erwartest Du von der Show? Was willst Du einbringen, was willst Du vielleicht selbst noch lernen?
Ich erhoffe mir ein einmaliges Erlebnis. Eine Erfahrung, die mich weiterbringt und mich über mich hinaus wachsen lässt. Und natürlich hoffe ich, dass siemir neue Möglichkeiten und Perspektiven eröffnet.

Was möchtest Du den Zuschauer*innen durch die Teilnahme bei „Queen of Drags“ zeigen? Welche Message möchtest Du ihnen mitgeben?
Mir ist es wichtig, zu zeigen, dass man nicht immer dasselbe wie alle anderen machen muss. Individualität und einen eigenen Standpunkt finde ich als Künstler sehr wichtig. Natürlich möchte ich meine Überzeugungen inmeine Kunst einfließen lassen. Ich hoffe, dass wir die Lebenswelt vieler LSBTTIQ-Menschen der Allgemeinheit näherbringen können und dass wir so zu mehr Verständigung, Akzeptanz und Engagement inspirieren und beitragen können.

Was sollte jeder über Drag(s) wissen?
Drag ist eine Kunstform und nicht das Gleiche, wie trans* zu sein. Aber es gibt natürlich fantastische Drag Queens, die transsind. Drag ist für jeden. Es geht darum, sich zu verwandeln, die Welt zu bereichern und Spaß zu haben.

Mehr zu Vava Vilde unter instagram.com/vavavilde
Alles zu “Queen of Drags” auf
prosieben.de/tv/queen-of-drags

[Dieses Interview wurde bereit gestellt durch ProSiebenSat.1 Media SE]

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