Special: Queen of Drags – Interview mit Hayden Kryze

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Queen of Drags-Teilnehmer/in Hayden Kryze ©Foto: ProSieben/Boris Breuer, Bildredakteur: Susi Lindlbauer
Queen of Drags-Teilnehmer/in Hayden Kryze ©Foto: ProSieben/Boris Breuer, Bildredakteur: Susi Lindlbauer

Hayden Kryze: Superhero meets Hip-Hop, meets spicy Chocolate. Jung, bunt und stark. Jahrelanges Mobbing während der Schulzeit haben Hayden krisenresistent gemacht. Wenn heute jemand sagt: „Du tanzt aber feminin“, dann freut sich Hayden, dass sie in ihrer Rolle so überzeugt. Einmal war ein Zuschauer sogar so sehr von ihrer Performance gerührt, dass ihm das den Mut gab, sich selbst zu outen. In ihren Auftritten kombiniert Hayden gekonnte Dance-Moves mit exzellentem Lip-Sync zu atemberaubenden Live-Performances. Und die regelmäßigen Tanz-Workouts zeigen Wirkung: Nicht umsonst bezeichnet die sportliche Drag Queen sich selbst als Muscle-Queen. Aber hat die Muscle-Queen auch das Zeug zur Queen of Drags?

Welche Geschichte steckt hinter Deinem Drag Queen Namen?
Hayden Kryze steht für „Superhero meets Hip-Hop meets spicy Chocolate”: Jung, bunt und stark.Sie liebt es, auf der Bühne zu einem geilen Beat zu performen und das African-Heart in alles zu stecken, was sie liebt! „Boujee from the streets“, crazy, cool und vielseitig. Und genauso wie die Schweizer Schokolade gibt es keine wie sie, deswegen ist Hayden „The real swiss chocolate – The Original“.

Erzähle uns von Deinem Leben als Drag Queen: Seit wann bist Du Drag? Hast Du Vorbilder? Was fasziniert Dich an der Drag-Kunst?
Mitte 2018 bin ich das erste Mal in meine Kunstfigur geschlüpft, die damals noch nicht als Hayden bekannt war. Es war ein Ausprobieren; ich hatte schon immer dieses Verlangen in eine Show-Persona zu schlüpfen und diesen Star-Appeal rauszulassen. Damals wusste ichaber noch nicht genau, was ich verkörpern wollte. Seit ich Ende 2019 an einer Drag Competition in der Schweiz teilnahm und das erste Mal auf einer (relativ großen) Bühne stand, habe ich mich selbst immer mehr kennengelernt und weiß, wer Hayden ist und was sie verkörpert.

Wer oder was inspiriert Dich?
Zu meinen Looks und meiner Attitude inspirieren mich Pop-Stars wie Beyonce, Lady Gaga, Cardi B, Nicki Minaj, David Bowie, Pabllo Vittar und viele mehr.Mich inspirieren auch meine Mum und all die anderen starken Frauen auf dieser Welt. Ich wuchs unter starken Frauen auf und mir wurde damit ein Sinnbild vermittelt, welches bis heute ein Grundstein für mich ist und eine Inspiration ist für meine Kunstfigur Hayden: „Femininity is Strength“ oder „Femininität ist Stärke“, egal ob aus kreativer oder gesellschaftlicher Sicht.

Was ändert sich (charakterlich) für Dich, wenn Du in Dein Outfit schlüpfst? Wer bist Du vorher, wer dann? Welchen Reiz hat für Dich das Spiel mit den Geschlechtern?
Wenn ich mich in den Drag-Fummel schmeiße, ist das wie bei einem Superheld der sich sein Cape umwirft. Natürlich bleibe ich ein und dieselbe Person, bloß in einer anderen Hülle und mit sichtbaren „Superkräften“. Während ein Superheld telekinetische Kräfte hat, hat man in Drag Superkräfte wie eine scharfe Zunge oder die Möglichkeit, politisch aufzufallen und damit eine Plattform zu bilden, die auch aktiv werden kann.Jedoch ist auch die visuelle Ästhetik ein ziemlich großer Reiz, auch wenn sich meine Performance-Looks von meinen „Day-Time-Drag Looks“ unterscheiden. Während ich für eine Performance meinen Look vor allem von Superhelden inspirieren lasse, sind meine Hosting oder Day-Time Looks verspielter. Quasi: Superheld auf der Bühne und Supermodel auf dem Runway.

Welche Rolle spielen die Outfits und das Make-up bei der Verwandlung zur Drag Queen? Sind sie vielleicht gar nicht so wichtig, wie viele denken? Oder doch?
Die Kostüme spielen natürlich nicht bei jeder Drag-Queen eine gleich große Rolle. Für die einen ist es schon ein „Muss“ um als Drag-Queen durchzugehen, für die anderen ein fundamentaler Aspekt. So unterscheiden sich die Performance-Queens von den Look-Queens, wobei ich mich selbst irgendwo dazwischen sehe.

Was sagen Deine Familie und Freund*Innen zu Deiner Kunstfigur?
Ich habe nicht unglaublich viele Freunde. Ich habe zwar viele Bekannte, aber meine Freunde zähle ich an einer Hand ab. Und die, die ich habe, lieben und unterstützen mich in dem, was ich mache. Deswegen geht es bei Freundschaft für mich nicht um Quantität, sondern um Qualität.“

Queen of Drags-Teilnehmer/in Hayden Kryze ©Foto: ProSieben/Boris Breuer, Bildredakteur: Susi Lindlbauer
Queen of Drags-Teilnehmer/in Hayden Kryze ©Foto: ProSieben/Boris Breuer, Bildredakteur: Susi Lindlbauer

Was macht deutsche Drag Queens im internationalen Vergleich so besonders?
Ich glaube, jedes Land, welches eine lebende LGBTQ+ Community hat, hat auch ganz eigene Drag-Queens. Während man in den USA und in Kanada zum Beispiel viel mehr Pageant-Queens und Schönheitswettbewerbe hat, haben wir in Europa eher die Queens, die eine Message vermitteln wollen. Das Eine schließt das Andere jedoch nicht aus.

Was muss eine „Queen of Drags“ Deiner Meinung nach alles mitbringen? Und warum glaubst Du, hast Du den Titel verdient?
Für mich muss die „Queen of Drags“ allem voran den Willen haben, etwas zu repräsentieren; gefolgt von Talenten wie Performance, Looks und einem Auge für Ästhetik – welches Dinge sind, von denen ich zu behaupten vermag, sie zu besitzen.

Was ist Deine Paradedisziplin als Drag Queen?
Meine Paradedisziplin ist definitiv das tanzen, was ich wahrscheinlich schon solange mache wie ich laufen kann.

Wo siehst Du Dich als Drag Queen? Einzelkämpfer*in oder Teamplayer? Peagant-Queen oder Performer? Fun-Girl oder Drag-Aktivist*in?
Als Einzelkämpfer mit einem ausgesuchten „Harem“ und Verbündeten, als polished Performer, die vor allem den Spaß an der ganzen Geschichte vermitteln will.

Was erwartest Du von der Show? Was willst Du einbringen, was willst Du vielleicht selbst noch lernen?
Ich erwarte, dass die Show ein absoluter Knaller wird! Gibt‘s denn eine vielseitigere, buntere, lustigere und dramareichere Kunstform als die des Drags? Ich werde definitiv auch zu allem, was ich mache, einen Sträusel Swiss-Chocolate dazugeben.

Was möchtest Du den Zuschauer*innen durch die Teilnahme bei „Queen of Drags“ zeigen? Welche Message möchtest Du ihnen mitgeben?
Es gibt wohl keine Subkultur die so vielseitig, vielschichtig und zu gleich kontrovers ist wie die der LGBTQ-Community. Drag treibt dies auf die Spitze. Nicht nur durch den Glamour alleine, sondern durch all das, was diese „persönliche“ Kunstfigur ausmacht.Ich liebe unsere Community, die voll von kreativen Kids ist und genau diese will ich inspirieren. „Aspire to inspire“, „strebe danach, zu inspirieren“. Je vielseitiger ein junger Mensch sein und denken kann, desto bunter und lebensfroher kann dieser Mensch sein Leben gestalten, was so einige wichtige und interessante Türen öffnet. Da meine Fanbase vor allem junge Menschen aus der LGBTQ-Community sind, will ich genau diese junge Generation, die des Öfteren auch nicht ernstgenommen wird, vertreten. Auch will ich genau denen zeigen, dass man alles erreichen kann, wenn man es will und man nie aufhören soll, an sich selber zu glauben.

Was sollte jeder über Drag(s) wissen?
Drag zu sein hat nichts damit zu tun, eine Frau sein zu wollen. Auch wenn viele Transsexuelle Menschen (vor allem Male-to-Female) durch Drag am Anfang ihres Bewusstwerdens zu ihrem wahren Ich finden oder viele Drag-Queens homosexuell sind, hat Drag an sich weder etwas mit Geschlechtsidentifikation noch mit sexueller Orientierung zu tun. Es ist ein kunterbuntes Spiel.

Mehr zu Hayden Kryze unter instagram.com/haydenkryze
Alles zu “Queen of Drags” auf prosieben.de/tv/queen-of-drags

[Dieses Interview wurde bereit gestellt durch ProSiebenSat.1 Media SE]

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