Schwulenfeindlicher Sänger “Bounty Killer” will in Deutschland auftreten

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Bounty Killer ©Flickr, Stefan Klauke
Bounty Killer ©Flickr, Stefan Klauke

Der jamaikanische Sänger “Bounty Killer”will im Mai Konzerte in Regensburg, Wuppertal und Dortmund auftreten. Wegen seiner Liedtexte wie “Verbrenne schwule Männer, bis sie sich im Todeskampf winden” und anderen schwulenfeindlichen Passagen fordern die Grünen nun ein Einreiseverbot. In Regensburg kündigt man währenddessen auf Facebook einen Sänger an, der einer “der aggressivsten Dancehall-Stars der Neunziger” und “ein Junge mit einem reuelosen Geschmack für ‘gun talk'” ist.

Was die Bewerbung auf facebook für sein Konzert in Regensburg unterschlägt ist, dass Bounty Killer in seinen Liedern Homosexuellen nicht nur den Tod wünscht, sondern direkt und indirekt zum Mord an Schwulen aufruft, in dem er sich u.a. eine Pistolenkugel für Homosexuelle herbei sehnt.

Ulle Schauws, die queerpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, ist es daher inakzeptabel, dass der Sänger in Deutschland auftritt. In einem Brief an Innenminister Horst Seehofer schrieb sie ihre Bitte, dass man die Einreise des Sängers verhindern solle.  Gegenüber des Tagesspiegel erklärte sie “”Wer zu Mord an Schwulen aufruft, hat in unserem Land und in Europa nichts verloren. Das ist in einem Rechtsstaat wie Deutschland strafbar”.

2004 wurde Bounty Killer durch das Innenministerium die Einreise schon einmal verboten. Das Verbot sei aber inzwischen erloschen. “Ich bitte Sie, den Sänger erneut zur Nicht-Einreise auszuschreiben. Es kann nicht sein, dass Hassprediger und Hasssänger ihre Botschaften in Deutschland verbreiten können”, heißt es in dem Brief Schauws an Seehofer. Neben Regensburg, sind auch in Wuppertal und Dortmund Konzerte geplant. Besonders verwerflich ist, dass der Dortmunder Club Junkyard auf seiner Homepage damit wirbt ein “sicherer Ort” zu sein: “Einen sicheren Ort. Ein Ort zum Freunde treffen, wo du chillen, Musik hören, tanzen und spielen kannst. Ein Ort mit einfachem, guten Essen und viel Raum für Kunst. Ein Ort, wie du ihn dir immer gewünscht hast. Wir haben diesen Ort für dich gefunden.”

UPDATE:
Der Veranstalter “Good Call Records” äußert sich zu den Vorwürfen via facebook wie folgt:

“Von Seiten Good Call Records wurde die Berichterstattung in den lokalen Medien über das am 11. Mai 2018 stattfindende Konzert des jamaikanischen Dancehall-Musikers Bounty Killer mit Bedauern zur Kenntnis genommen.

Good Call Records als Veranstalter verurteilt jede Form von Homophobie auf das Schärfste und distanziert sich ausdrücklich von derartigen musikalischen Inhalten. Der Veranstalter führt keine Veranstaltungen durch, auf denen homophobe Inhalte vorgetragen werden.

Der Sänger Bounty Killer gehört zu den weltweit bekanntesten und erfolgreichsten Dancehall-Künstlern und veröffentlichte bereits Koproduktionen mit Weltstars wie No Doubt, Busta Rhymes und The Fugees. Das Musikstück “Hey Baby” von No Doubt und Bounty Killer befand sich in zahlreichen Ländern mehrere Monate in den Charts. Es handelt sich also nicht um einen unbekannten Musiker, sondern um einen weltweit anerkannten Popstar, der in der Vergangenheit bereits zahlreiche Konzerte in Deutschland gegeben hat.
Es ist zu konstatieren, dass etwaige homophobe Inhalte in früheren Musikstücken von dem Künstler aus diesen herausgestrichen und durch andere, unproblematische Textpassagen ersetzt wurden.

Der Künstler, der Jamaika erst im Erwachsenenalter zum ersten Mal verlassen hat, wurde durch den von der Kirche und der jamaikanischen Gesetzgebung in der Gesellschaft verankerten homophoben Grundtenor sozialisiert und ließ dies in der Vergangenheit möglicherweise auch in seine Texte einfließen. Geschlechtsverkehr unter gleichgeschlechtlichen Partnern ist in Jamaika strafbar. In Deutschland wurde die entsprechende Vorschrift (§ 175 StGB) bereits 1973 entschärft und 1994 gänzlich gestrichen. In Jamaika ist der gesellschaftliche Wandel noch nicht entsprechend fortgeschritten.
Viele der ursprünglichen, in den Texten enthaltenen Aussagen seien laut dem Künstler insofern missinterpretiert worden, als dass es sich bei ihnen um überspitzte Formulierungen, wie im Reggae- und Hip-Hop-Bereich allgemein üblich, gehandelt habe. Diese würden häufig verwendet, um bewusst zu polarisieren.

Nach eigener Aussage sei Bounty Killer erst nach Reisen in andere Teile der Welt bewusst geworden, dass ihm seine Erziehung problematische Denkmuster aufoktroyiert habe. In einer Stellungnahme gab der Sänger an, dass er die teilweise kontrovers diskutierten Musikstücke heute nicht mehr in dieser Form aufnehmen und veröffentlichen würde.

Bounty Killer gibt aufgrund dessen bei Livekonzerten und auch in aktuellen Aufnahmen keine der ihm vorgeworfenen Textpassagen mehr wieder. Dies sichert er bei Auftritten – wie auch in Regensburg – vertraglich zu.

Eingedenk der Tatsache, dass der Reggae-Szene, insbesondere auch in Deutschland, überwiegend äußerst liberale und weltoffene Menschen angehören, ist es auch nicht im Interesse des Publikums, mit homophoben Äußerungen konfrontiert zu werden. Auch die Konzertbesucher in Regensburg erwarten ein friedliches, weltoffenes Konzert und werden dies auch ohne Einschränkung erleben und genießen können.

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