Musical CATS setzt neuinszeniert in Wien Maßstäbe

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CATS, Alexander Auler ©VBW, Foto: Deen van Meer
CATS, Alexander Auler ©VBW, Foto: Deen van Meer

Es ist der Inbegriff für den Start der kommerziellen Musicals und Long-Run-Produktionen im deutschsprachigem Raum und sicher auch eines der drei bekanntesten Musicals weltweit. Andrew Lloyd Webbers CATS. Doch noch bevor das Stück seine Erfolge in Hamburg feierte und das Musicalzeitalter in Deutschland einläutete, holte Intendant Peter Weck von den Vereinigte Bühnen Wien, kurz VBW, das Stück bereits 1982 nach Wien.

Im Gegensatz zu den deutschen Musicalveranstaltern die ihre Erfolge zumeist damit feiern, große Produktionen aus England, Amerika und eben auch Wien abzukaufen, beschloss man in Wien nach 9 Jahren CATS (und über weite Strecken auch das Parallel im „Theater an der Wien“ laufende Phantom der Oper) eigene Werke zu produzieren, verkaufen und aufzuführen.

Eine Sehr weise und wie sich herausstellte erfolgreiche Entscheidung. Belege hierfür sind nicht zuletzt „Elisabeth“, „Mozart“, „Tanz der Vampire“, „Rebecca“ und „I am from Austria“. Und so mussten die Wiener lange warten bis die einst so erfolgreichen Stubentiger mal wieder über eine Wiener Bühne schlichen. Im „Ronacher“, jenem Theater wo CATS 1982 seine deutschsprachige Uraufführung feierte und bis vor kurzem noch die nicht weniger erfolgreichen Vampire tanzten, streunen mit der gefeierten Premiere vom 20. September 2019 nun wieder die Katzen über die Bühne.

CATS ©VBW, Foto: Deen van Meer
CATS ©VBW, Foto: Deen van Meer

Die wichtigste Frage die sich Intendant Strupeck und (der Original Uraufführungs-) Regisseur Trevor Nunn stellten: das alte Erfolgsrezept 1:1 wieder auf die Bühne bringen oder einen Klassiker grundsanieren? Sie entschieden sich für Letzteres. Ein kluger Entschluss! Wer CATS schon kennt, wird es wiedererkennen und dennoch gibt es viel Neues zu entdecken. Wer das Stück noch nie gesehen haben sollte, wird ob der furiosen Neuinszenierung nicht glauben das CATS bereits 36 Lenze zählt.

CATS ©VBW, Foto: Deen van Meer
CATS ©VBW, Foto: Deen van Meer

Bei der Auswahl des Cast beweist das Kreativteam ein goldenes Händchen. Eine Mischung aus Musicalstars und dem Wiener Publikum sehr wohl bekannten Namen und Stimmen (Anna Milva Gommes, Felix Martin, Rory Six und Carin Filipcic) und jungen Ausnahmetalenten die in Wien ihren ersten große Schritt zu einer noch größeren Kariere gehen werden (Astrit Gollob, Alexander Auler, Stephen Martin Allan).

Das Kreativteam ist alt bewährt, ob Originalregisseure Trevor Nunn oder der Wiener Haus- und Hofchoreograf Dennis Calahan in Zusammenarbeit mit Original-Choreographin Cerstin Cartwright oder dem deutschen Starautor Michael Kunze. Diese bekannten Wiener Alphatiere und ihr Team sind seit Elisabeth 1992 Garanten für gute Produktionen. So auch dieses Mal.

CATS ©VBW, Foto: Deen van Meer
CATS ©VBW, Foto: Deen van Meer

Die Story: CATS ist im eigentlichen Sinne eher eine Revue als ein Musical, es fehlt eigentlich ein roter Faden und die klassische Romeo und Julia Geschichte wie sie in fast jedem Musical vorkommt. Auf einem Düsteren, trostlosen Hinterhof treffen sich alle Katzen der Stadt zur Nacht der Nächte, wo eine Katze in den Katzenhimmel fährt (7 Leben sind halt auch irgendwann mal vorbei) und eine Katze zum Oberhaupt ernannt wird. Bis es so weit ist und die Nacht der Nächte um 24 Uhr beginnt stellen sich alle Katzen einzeln vor und erzählen ihre Geschichte. Klingt weitaus simpler und langweiliger als es am Ende ist. 8,5 Millionen Zuschauer in Deutschland, Österreich und der Schweiz können nicht irren.

CATS ©VBW, Foto: Deen van Meer
CATS ©VBW, Foto: Deen van Meer

Die Neuinszenierung: An der Story und den Songs hat sich selbstredend nichts geändert. Das Bühnenbild ist komplett neu, und wie immer, wenn es im Ronacher darum geht eine spektakuläre Bühne zu zaubern, wird wieder jeder Zentimeter des Schnürbodens und der Seitenbühnen ausgenutzt, kein Kanal an den Ton- und Lichtpulten der nicht belegt ist und kein Trick aus der Theatertrickkiste, den man nicht anwenden würde. Spektakuläre und unerreichbare Bühnentechnik, wofür Wien spätestens seit der Uraufführung der Vampire 1997 steht, setzt sich auch mit CATS 2.0 fort.

CATS ©VBW, Foto: Deen van Meer
CATS ©VBW, Foto: Deen van Meer

Der Cast, stimmlich und tänzerisch – zumindest im Einzelnen – sicher und weltklasse. Was die Synchronität bei den großen Gruppenchoreografien angeht, merkt man jedoch, dass das Team komplett neu zusammengewürfelt wurde und man nur acht Wochen Probenzeit hatte. Jedoch ist das tatsächlich der einzige Kritikpunkt und somit jammern auf hohem Niveau. Bei der Extraklasse der Darsteller kann man fest davon ausgehen, dass sich nach 1 bis 2 Spielwochen diese kleinen Fehlerchen noch abstellen werden.

Wer Wien in der Spielzeit 19/20 als Musicaltourist besuchen will kommt an CATS nicht vorbei. Denn statt wie normalerweise, drei großartige Produktionen laufen zu haben ist es 19/20 tatsächlich „nur“ CATS. Denn das Raimundtheater wird saniert und im „Theater an der Wien“ werden 19/20 ausschließlich Opern auf dem Spielplan stehen. Aber mal ehrlich: das, was Wien als „Notfallprogramm“ laufen hat, bekommen andere Städte nicht mal als Saisonhighlight aufgeboten.

CATS
Der Welterfolg endlich zurück in Wien
20.09.2019 – 26.07.2020
Ronacher, Seilerstätte 9, Wien1010
Vorstellungsdauer: ~ 2:40h
Infos & Tickets unter www.musicalvienna.at

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Unser Autor Alex Kolbe schreibt für VOISZ.com primär über Gastronomie und Kultur. Er absolvierte seine Kochausbildung im renommierten „Feringa Park Hotel“ und wurde noch während seiner Ausbildung 4. in der Stadtmeisterschaft der Köche. Nach seiner Ausbildung zog es ihn in das „Innside Hotel“ mit seiner modernen, experimentelle Küche, das als Flaggschiff der beiden Sterne erfahrenen Gourmetköche Andreas Beilhack und Alexander Plischek gilt. Nach zahlreichen renomierten Stationen in Deutschland und Österreich leitet er mittlerweile seine eigene Cateringagentur "Royalmeal Eventcatering". Neben dem Kochen ist das Theater ein weiteres Steckenpferd von Alex Kolbe. Ob als Schauspieler oder Regisseur hat er in diesem Bereich schon erste Erfahrungen machen dürfen. Regelmäßig zieht es ihn nach Hamburg, Berlin, London und vor allem nach Wien wo er bereits Freundschaften zu den großen Darstellern der Branche hegt. Inzwischen gibt es kaum ein relevantes Musical was Alex Kolbe noch nicht in der Originalinszenierung gesehen hat und die wenigen die es doch noch gibt, die stehen sicher schon auf der To-Do Liste unseres Redakteurs.

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