Jil Sander – Aus der deutschen Provinz zur internationalen Ikone

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Jil Sander Kampagne, Herbst-Winter 2004/2005, Model: Gemma Ward ©David Sims
Jil Sander Kampagne, Herbst-Winter 2004/2005, Model: Gemma Ward ©David Sims

Jil Sander ist eine der sehr wenigen deutschen Designer, die es auf der internationalen Modebühne, auch bei den Männern geschafft hat einen Style, einen Trend zu setzten. Vorweg gesagt: Das Auf und Ab nach dem Verlassen der eigenen Marke und das Hin und Her der wirtschaftlichen Begebenheiten interessieren hier nicht wirklich. Wichtig ist: Was macht Ihren Style aus, das ist Thema des Artikels.

Portrait Jil Sander © Peter Lindbergh
Portrait Jil Sander © Peter Lindbergh

Heidemarie Jjline Sander, ihr bürgerliche Name, wurde 1943 in Wesselburen geboren.
Früh zeigte sie ihr Interesse für die Mode. Nach dem Textilingenieurstudium, einem Aufenthalt in Los Angeles, als Moderedakteurin für verschiedene Zeitschriften, eröffnete Sie 1967 in der Hansestadt Hamburg, dem Tor zur Welt, den eigenen Laden. In der Milchstrasse, der Name der Straße in der ihr Geschäft ist, begann Ihre Karriere.

Jil Sander ©Atelier Holger Sommer
Jil Sander ©Atelier Holger Sommer

Zunächst verkaufte sie die Damensachen anderer Designer, nebenbei die ersten Damenstücke mit  dem eigenen Style. 1968 wurde die Jil Sander GmbH gegründet. Durch den lukrativen Vertrag für Ihr Parfüm bekam Jil Sander auch den finanziellen Rückhalt für das Entwickeln und Arbeiten an der eigenen Kollektion.

Den Verkauf der eigenen Kollektion konnte sie im Laufe der Zeit weiter auf die internationale Ebene vergrößern. Bleiben wir noch einen kurzen Augenblick bei Ihren Damensachen. Alles, was zunächst für die Damenkleidung Geltung hatte, hier eine Glocke, dort noch ein Fältchen, ach und im Saum noch etwas Spitze, und die Farbe an sich verbannte Sie in das Reich der Fabelwesen. Sie nahm einen Stoff, gab ihm eine Form, eine Verarbeitung, die den Stoff leben lässt, eine ausgewählte Farbpalette, ohne zu schreien, aufdringlich zu sein und kreierte damit das, was die Hamburger Damenwelt wollte. Sachlich elegante Kleidung, mit einem Touch von Avantgarde. Einen Style, der Design und Esprit versprüht. Jedes Element sitzt an der richtigen Stelle. Nichts ist zu viel oder zu wenig. Das ist das, was Jil Sander den Erfolg und die Anerkennung auf der internationalen Modebühne gebracht hat. Welches in Ihrem Spitznamen „Queen of the Less“ auf eine äußerst respektvolle Art und Weise ausgedrückt wird.

Nun weiter zu Ihren Männerstücken.

Jil Sander ©Atelier Holger Sommer
Jil Sander ©Atelier Holger Sommer

Für die Männermode ließ Sie sich Zeit. Bevor Sie 1997 die erste MenCollection in Mailand zeigte, arbeitete Sie 2 Jahre an dem Konzept. Zwei Jahre in der Sie die Materialien, die Formen, die Farben ausprobierte. Um zum einen auf dem gleichen Designniveau wie Ihre Damenkollektion zu sein. Und zu lernen, zu verstehen was will „Ihr Mann“. Was trägt, was fühlt er. Inspiriert durch die in englischer Mode herumlaufenden Männer in Hamburg, nahm Sie den Saccos die Einlagen raus. Ein Sacco ohne Einlage? Wo bleibt der Stand der Schulter, wie halten Kragen und Rever ihre Form? Die entwickelten Materialien tun das Ihrige dazu. Einen weiteren Teil übernimmt der Schnitt, die Verarbeitung und damit die Form, die Grenze zwischen der notwendigen Form und dem Design ist fließend, um das Sacco in Form zu halten.

Jil Sander ©Atelier Holger Sommer
Jil Sander ©Atelier Holger Sommer

Durch die Konzentration auf das Material an sich werden die Stücke dünner, was sich auch in der Wirkung nach außen auswirkt. Der Träger sieht einfach schlanker aus. Zur Erinnerung, zu der damaligen Zeit hatten die Herren in ihren Saccos noch wahrlich dicke Einlagen. Was sich heute kaum noch jemand vorstellen kann. Die heute verwendeten Einlagen sind weitaus dünner und weniger geworden.

Wieder zurück zum Style von Jil Sander: Wie bei den Damen auch bei den Herren ist es weitaus schwieriger, das Kleidungsstück nur mit dem Notwendigsten auszustatten und stylisch dabei zu bleiben. Da die Herrenwelt weitaus sensibler auf zu viel Schnickschnack reagiert. Die Männer lieben Details, wenn überhaupt, nur an der richtigen Stelle. Es darf einfach nicht zu viel sein.

Jil Sander ©Atelier Holger Sommer
Jil Sander ©Atelier Holger Sommer

Hier bildet die Jil Sander Men Collection einen Gegenpol zu Labels wie Jean Paul Gaultier oder John Galliano oder Prada oder Gucci. Wo es, was das Design der Stoffe angeht, schon mal so richtig bunt und knallig in den Farben und Formen sein kann. Jil Sander bewegt sich immer im Bereich von Farben, die der Pastellfarbpalette entspringen.  Sie geben eine klare Farbe vor, ohne die Sinne blenden zu wollen. Ihr ist eins wichtig: Der Mann soll das Design fühlen, sich in seiner „Klamotte“ zu Hause fühlen, vom Stoff ummantelt. Die hohe Wertigkeit des Materials und der Verarbeitung standen der Wertigkeit des Designs und Styling in nichts nach. Durch die zeitlose Komponente im Design bleiben der Style stets aktuell. Können dadurch stets mit anderen Teilen kombiniert werden.

 

Noch ein persönliches Wort zum Schluß. Mit Ihrem Minimalismus gilt Sie für mich als eine der ganz Großen in der Mode. Das ist nämlich die wahre Kunst einer Sache eine Tiefe, einen Ausdruck zu verleihen, nur das wahrhaftig Notwendige zu sehen, zu zeigen, diesem den richtigen Platz zu geben in Farbe, Form und Proportion. Um das ausgewählte Material am Mann einfach fantastisch  aussehen zu lassen.

Jil Sander Kampagne, Herbst-Winter 2004/2005, Model: Mathias Lauridsen ©David Sims
Jil Sander Kampagne, Herbst-Winter 2004/2005, Model: Mathias Lauridsen ©David Sims

Und für alle Fans, bis zum 6. Mai 2018 gibt es eine wunderbare Ausstellung Ihrer Modekunst
im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt. Ein Besuch, der sich lohnen wird.

Museum Angewandte Kunst
Schaumainkai 17
60594 Frankfurt
museumangewandtekunst.de

 

Euer
Holger Sommer

Skizzen by www.holger-sommer.com
Das Portrait ist eine Skizze nach dem Werbefoto zu Ihrem ersten Parfüm


©Atelier Holger Sommer
©Atelier Holger Sommer

Über den Autor Holger Sommer:
Holger Sommer ist gelernter Couturier und ein kreativer Typ, der das Bild liebt. Das Bild an der Wand, wie auch das Bild das ein Mensch in der Klamotte darstellt.

Und dieses gestaltet er sehr gerne als Stylist. Dabei stylt er Klamotten für den Menschen und nicht für den Trend oder das „Label“. So werden manche Designs extra angefertigt, aber auch selbst gekaufte Lieblingsstücke so zusammengestellt, dass das Outfit mit dem Typ/Menschen zusammen ein perfektes Bild ergibt.

Aus den „Nebenprodukt“ – also aus den Stoffen, die unverarbeitet sind – entstehen dann neue Bilder. In einer eigens entwickelten Technik ergeben sich überwiegend graphische Motive und zwischendrin auch einmal ein Tierporträt. Um dem ganzen kreativen Input einen weiteren Ausgang zu geben fertigt er Zeichnungen an und schreibt u.a. für Fashionblogs und Magazine, wie auch für VOISZ.com

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Holger Sommer ist gelernter Couturier und ein kreativer Typ, der das Bild liebt. Das Bild an der Wand, wie auch das Bild das ein Mensch in der Klamotte darstellt. Und dieses gestaltet er sehr gerne als Stylist. Dabei stylt er Klamotten für den Menschen und nicht für den Trend oder das „Label“. So werden manche Designs extra angefertigt, aber auch selbst gekaufte Lieblingsstücke so zusammengestellt, dass das Outfit mit dem Typ/Menschen zusammen ein perfektes Bild ergibt. Aus den „Nebenprodukt“ – also aus den Stoffen, die unverarbeitet sind – entstehen dann neue Bilder. In einer eigens entwickelten Technik ergeben sich überwiegend graphische Motive und zwischendrin auch einmal ein Tierporträt. Um dem ganzen kreativen Input einen weiteren Ausgang zu geben fertigt er Zeichnungen an und schreibt u.a. für Fashionblogs und Magazine, wie auch für VOISZ.com

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