“Ich tanze oder sterbe” – Ahmad Joudeh vom Flüchtlingscamp zum Welterfolg

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Foto: Lidia Costantini via Ahmad Joudeh | facebook.com/ahmadjoudehofficial
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Ahmad Joudeh hat ein Tattoo im Naken, das übersetzt “Tanz oder stirb” bedeutet. Das Tattoo ist bewusst an der Stelle im Naken platziert, an dem der IS jenen den Kopf abschlägt, die nicht hinter ihrer Ideologie stehen. Ahmad Joudeh ist geboren und aufgewachsen in einem Flüchtlingscamp in Syrien, nahe Damaskus. Und er tanzt. Was als Mann in seinem Land den Tod bedeuten kann. Er tanzte trotzdem. Ganz nach seinem Lebensmotto “Tanz oder stirb”. Heute lebt er dank seines Tanzes in den Niederlanden und ist international anerkannt, auch wenn er keinen Pass besitzt.

Foto: Ahmad Joudeh | facebook.com/ahmadjoudehofficial
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Ahmad Joudeh hatte die schlechtesten Voraussetzungen als er in einem Flüchtlingscamp geboren wurde und sich später dafür entschied Tänzer zu werden. Er gilt bis heute offiziell als staatenloser Flüchtling, da auch sein Vater Sohn eines palästinensischen Flüchtlings ist. Somit hat Ahmad bis heute keinen Pass. In Syrien herrschte zu der Zeit als Ahmad aufwuchs die ISIS, die Kultur komplett verachtet. Und auch in der syrischen Gesellschaft wurde ein Mann, der tanzt, verachtet. Sein Vater und seine Onkel akzeptierten seinen Berufsweg nicht und legten ihm viele Steine in den Weg.

Foto: Ahmad Joudeh | facebook.com/ahmadjoudehofficial

Doch Ahmad tanzte. Auf den Dächern Damaskus, in den Ruinen seiner zerstörten Heimatstadt und in dem mittlerweile von der ISIS zerstörten römischen Amphitheater von Palmyra. “Es war für mich ein Ort der Kultur und nicht des Krieges oder der ISIS“, erklärt Ahmad in einem seiner Videos die Entscheidung an diesen Orten zu tanzen. “Der Tanz war mein Weg zu kämpfen. Ich bin wahrscheinlich der letzte Künstler gewesen, der dort tanzen konnte. Danach wurde das Theater schwer beschädigt.”

Foto: Ahmad Joudeh | facebook.com/ahmadjoudehofficial
Foto: Ahmad Joudeh | facebook.com/ahmadjoudehofficial

Im Alter von 8 Jahren sah Ahmad zum ersten Mal ein Ballet und wollte seit dem Tänzer werden. Er nahm heimlich Tanzunterricht in Damaskus und nahm 2014 schließlich an der arabischen Version der TV-Show “So You Think You Can Dance” teil. Sein Leben änderte sich drastisch, als 2016 der holländischer Journalist Roozbeh Kaboly nach Tänzern in Syrien recherchierte und mit Ahmad in Verbindung trat. Der Journalist schrieb einen Artikel über Ahmad und veröffentlichte ein Video von seinem Tanz über den Dächern Damaskus. Auf Grund dieser Beiträge wurde das “Dutch National Opera & Ballet” auf Ahmad aufmerksam und schaffte es ihn, obwohl er keinen Pass besitzt, ein Visum für die Niederlande zu besorgen und ihn nach Europa zu bringen, wo er Tanz studieren konnte und in kürzester Zeit erste Erfolge feierte.

Foto: Ahmad Joudeh | facebook.com/ahmadjoudehofficial

Mit seinen Erfolgen änderte sich auch die Einstellung seines Vaters zum tanzen. Dieser lebt mittlerweile in Berlin und verfolgt die Karriere seines Sohnes, hat diesen auch schon bei einigen seiner Auftritte besucht. Gegenüber der Deutschen Welle erzählte Ahmad über sein aktuelles Verhältnis zu seinem Vater: “Jetzt unterstützt er mich sehr, denn auch er ist Künstler, lebt schon eine ganze Weile in Berlin, und ich denke, da hat er verstanden, dass es etwas wirklich Gutes für einen Mann ist, Balletttänzer zu sein. Ich war viele Male in Berlin, um ihn zu besuchen, und er kam nach Amsterdam, um mich tanzen zu sehen. Wir haben mittlerweile eine sehr gute freundschaftliche Beziehung.”

Foto: Ahmad Joudeh | facebook.com/ahmadjoudehofficial
Foto: Ahmad Joudeh | facebook.com/ahmadjoudehofficial

Ahmad tritt mittlerweile interantional auf, unterrichtet in den Niederlanden Tanz und träumt davon eines Tages nach Palmyra zurückzukehren und seine eigene Show auf die Beine zustellen und die Stadt mit seiner Kunst wieder zum Leben zu erwecken.

Weiter Infos zu Ahmad Joudeh gibt es auf facebook unter facebook.com/ahmadjoudehofficial, sowie auf youtube unter “Ahmad Joudeh”.

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