Exklusiv: Drag-Kid Desmond gibt VOISZ.com erstes Interview in Deutschland

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Desmond Napoles ©facebook.com/DesmondisAmazing
Desmond Napoles ©facebook.com/DesmondisAmazing

In den USA ist Desmond bereits eine kleine Berühmtheit und wird von Stars umworben und gefeiert. Unzählige US-Medien haben bereits über den 11-jährigen Jungen aus New York berichtet. Auch einige deutsche Medien haben diese Berichte hergenommen, übersetzt und eigene Berichte daraus erstellt. Für VOISZ.com haben sich Desmond und seine Mutter Wendy erstmals im deutschsprachigen Raum für ein Interview Zeit genommen. Das Interview im Original findet ihr hier. [Click here for the english version]

Aber wer ist Desmond überhaupt? Und warum ist ein 11-jähriger Junge weltweit eine Berichterstattung wert? Desmond Napoles lebt mit seinen Eltern in New York. Bereits im Alter von 2 Jahren fing er an, die Klamotten seiner Mutter zu tragen. Er hat das im Fernsehen bei “RuPaul’s Drag Race” gesehen und war fasziniert. Seine Eltern ließen es zu, fragten dennoch einen Psychologen, was sie machen sollen. Die Antwort: “Weder fördern, noch unterdrücken.” Und somit ließen sie Desmond gewähren. Außer in der Schule trägt Desmond seine Outfits überall und veröffentlicht Fotos dieser schließlich auch via facebook und instagram. Das Drag-Kid Desmond war geboren und wird mittlerweile weltweit gefeiert.

Wie es zu all dem kam, was es für positive, wie aber auch negative Reaktionen gab, haben wir im Interview mit VOISZ.com Desmond und seine Mutter Wendy gefragt.

Desmond, du hast sehr früh angefangen, dich wie eine Dragqueen anzuziehen. Viele Kinder weltweit tragen die Klamotten ihrer Mutter. Die meisten aber nur in ihrem eigenen Haus. Warum hast du angefangen, in diesen Outfits nach draußen zu gehen?
Desmond: Ich habe beschlossen, als Draq nach draußen zu gehen, damit ich den Leuten zeigen kann, dass Kinder auch Drag sein können. 

Wendy, wie waren die ersten Reaktionen von deiner Familie, deinen Freunden und natürlich auch den Leuten auf der Straße?
Wendy: Ich habe von meiner Familie keine Reaktion bekommen. Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der ich schwule Verwandte habe. Meine Freunde waren auch sehr unterstützend. Wir bekommen nicht viel Hass auf der Straße zu spüren, nur gelegentlich etwas. Wir sind glücklich, in New York City zu leben, wo Menschen toleranter sind und sich nicht wirklich darum kümmern, was andere tun. 

Wendy, änderten sich die Reaktionen nach dem Ruhm von Desmond?
Wendy: Nein. Das Einzige, was sich geändert hat, war, dass wir online Hass zu spüren bekommen und den immer noch täglich. 

Zuerst hast Du Dich nur zuhause so angezogen, dann auch außerhalb. Schließlich bist Du mit deinen Bildern in den sozialen Medien online gegangen. Warum hast Du dich dafür entschieden, diesen öffentlichen Schritt zu gehen?
Desmond: 2015 bin ich viral gegangen und ein Freund meiner Mutter hat eine Facebook-Seite namens „Desmond is Amazing“ gestartet. Damals hatte ich zum ersten Mal ein Social-Media-Account.
Wendy: Nachdem Desmond im Jahr 2015 viral ging, hat ein Freund von mir eine Facebook Fan Page mit dem Titel Desmond is Amazing erstellt, genau wie ein Ort, an dem Desmond Fotos austauschen und mit seinen Fans reden konnte. Wir haben Instagram oder Twitter erst Mitte 2017 gemacht. Die Leute hatten uns immer wieder gefragt, ob sie ihm auf Twitter folgen könnten oder sie fragten uns, warum er kein Instagram hatte. Also haben wir diese Accounts ebenfalls gestartet. Mein Mann und ich beobachten sie mehrmals am Tag, um Hasskommentare zu löschen. 

In deiner Schule trägst du keine Drag-Outfits. Aber die Kinder um dich herum müssten doch über deinen Lebensstil Bescheid wissen. Hast Du Probleme in der Schule mit Kindern, Lehrern oder Eltern?
Desmond: Manche Kinder wissen es, aber viele Kinder wissen es nicht. Sie wissen nur, dass ich berühmt bin. Wir tragen Uniformen zur Schule.
Wendy: Desmond hat wirklich kein Problem. Als Desmond zum Kindergarten kam, setzten wir uns mit dem Schulleiter zusammen und halfen, eine Anti-Mobbing-Politik in seiner Schule zu organisieren. Wann immer Desmond auf Mobbing stieß, gab es für die Person Konsequenzen.

 

In einigen Artikeln über Desmond konnte ich lesen, dass es einige negative Reaktionen gab. Was denkst Du darüber?
Desmond: Nun, ich weiß nicht viel darüber. Alles, was ich weiß, ist, dass Leute Dinge wie “Kindesmissbrauch” sagen oder behaupten, dass meine Eltern Pädophilie sind, aber normalerweise sehe ich den Hass nicht, weil meine Eltern ihn entfernen, bevor ich auf meine Konten gehen darf. 

Versteht ihr die Leute, die sagen: “Ich werde meinem Sohn nicht erlauben, sich wie Desmond in der Öffentlichkeit zu kleiden”?
Wendy: Ja und nein. Nein, ich verstehe nicht, warum die Leute ihren Kindern nicht erlauben, sich anzuziehen, weil es harmlos ist und den Kindern Spaß macht. Ja, weil jeder anders und einzigartig ist, haben die Menschen das Recht, ihre Kinder so zu erziehen, wie sie es für ihre Familie am geeignetsten finden.
Desmond: Nein, ich denke, du solltest deine Kinder anziehen lassen, wie sie wollen. Egal was passiert. 

Viele Bilder zeigen, dass Desmond auch auf Gayprides geht. Hilft dir die schwule Communtity, dass Du mehr akzeptiert wirst?
Desmond: Ja, es hilft mir, dass ich mich durch die LGBTQ+ Community mehr akzeptiert fühle.
Wendy: Definitiv. Die LGBTQ+ Community unterstützt Desmond sehr und Desmond unterstützt auch die Community sehr. 

Wie hilft dir die schwule Szene? Gab es in dieser Open-Mind-Szene auch mal schlechte Reaktionen?
Wendy: Die LGBTQ + -Gemeinschaft ist sehr tolerant und vielfältig. Manchmal gibt es trotzdem schlechte Reaktionen. Aber ich glaube, dass diese durch Missverständnisses darüber aufkommen, was Drag-Kids sind oder auch aus Eifersucht, weil Desmond so jung schon Erfolg hat.
Desmond: Die LGBTQ + Community hat mir geholfen, weil sie mich während dieser Reise unterstützt haben. Es gab nur sehr wenige schlechte Reaktionen.

Bereut ihr es manchmal, in die Öffentlichkeit gegangen zu sein?
Desmond: Ich werde es nie bereuen, in die Öffentlichkeit gegangen zu sein, weil ich immer davon geträumt habe, berühmt zu sein, und ich möchte anderen helfen, sie selbst zu sein.
Wendy: Ich bereue es nicht, aber manchmal, an Tagen, an denen wir viel Hass bekommen, wünschte ich, ich könnte in eine Zeit zurückkehren, in der wir uns damit nicht befassen mussten. Es wird zu einer schweren Bürde, dass die ganze Zeit herumzutragen. 

Was sind denn die guten Dinge, die die Öffentlichkeit und der weltweite Ruhm mit sich bringen?
Desmond: Einige der guten Dinge sind, dass ich den Menschen zeigen kann, wie man mehr man selbst ist und ich das Thema Drag Kids auf der ganzen Welt bekannter machen kann.
Wendy: Desmond kann so viele junge Menschen (und Erwachsene) dazu inspirieren, sie selbst zu sein und sich wohl zu fühlen, so wie sie sind. Er inspiriert auch andere Kinder, die wie er sind, die gerne Drags sind. Desmond verdient nicht viel Geld, aber was er verdient, geht in ein Treuhandkonto, auf das er zugreifen kann, wenn er 18 Jahre alt ist. Also tut er, was er genießt und baut sich damit eine Zukunft auf.

Was würdest Du gerne später machen? Etwas auf der Bühne? Vielleicht als Dragqueen arbeiten? Oder etwas komplett anderes?
Desmond: Ich möchte genau so sein, wie ich gerade bin. Ich möchte eine Drag Queen und ein LGBTQ+ Anwalt sein. Und auch ein Modedesigner.

Nach den letzten Jahren und den Reaktionen über deinen Weg: Was ist das Wichtigste, was du der Welt gerne sagen möchtest?
Desmond: Ich möchte den Leuten sagen, dass sie andere nicht hassen sollen. Gebt den Hatern keine Beachtung, denn sie werden nie so wild sein wie ihr und ich. Auch dass jeder ein Drag sein kann, egal in welchem ​​Alter, Geschlecht, Identität, Rasse oder Behinderung. Mein Motto ist “Sei immer Du selbst”.
Wendy:
Ich möchte den Eltern nur sagen, dass sie ihre Kinder bedingungslos lieben und ihre Interessen unterstützen sollen, solange sie harmlos und positiv sind.

 

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