Ein Besuch auf der „Secret Fashion Show“ VOL. 8

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Secret Fashion Show | Foto: Benedikt Amann - VOISZ.com
Secret Fashion Show | Foto: Benedikt Amann - VOISZ.com

Auf der 8. Secret Fashion Show am 10. Oktober 2017 in München waren viele Modebegeisterte, Blogger und Prominente zu Gast. Auch VOISZ.com war u.a. mit Herausgeber Peter Panzer, Fotograf Benedikt Amann und Kolumnist Garry Tom vertreten. Die Resonanz im Team: Tolle Show. Doch wie kann man eine solche Show, die Designer und die Mode bewerten, wenn man die Materie primär aus Verbrauchersicht beurteilt? Gut, dass es im Team von VOISZ.com mit Holger Sommer einen gelernten Modedesigner gibt. Er hat sich die Show aus professioneller Sicht angeschaut und seine Eindrücke seines Besuchs für uns zusammengefasst.

Laute Musik dröhnt durch die Alte Kongresshalle an der Theresienhöhe in München. Die Bässe durchschlagen den Körper. Gespannt warten die Gäste.

Eingeleitet wird das Spektakel durch einen Mix aus River- und Breakdance.  Der junge Mann bespielt die Bühne, als würde er vor seinem Schlafzimmerspiegel üben. Reibungslos im Anschluss treten die Models auf den Plan. Gekleidet wie in Märchen von Rotkäppchen. Elemente aus der Tracht ins Heute übersetzt. In sich durchdacht und das Design bis hin zum Brautkleid durchgezogen. Einfach nett zum Anschauen.

So geht es weiter. Ein Designer nach dem anderen betritt die Bühne. Unter anderem mit Gehäkeltem und Gestricktem. Die Damen benetzt oder in gestrickte Kleider/Jacken ummantelt. Erinnern die Teile an die Serie „UFO“ aus den 70ern. Nur trugen die Herren diese Netzoberteile auf nackter Haut. Damals war es eine Zukunftsvision.

Jeansjacken etwas bemalt oder mit Glitzer versehen. Der Punk lässt grüßen. Auffallend ist die Qualität, die Kreativität mit was und wie die Jacken gestaltet sind. Zurzeit ist es ja HIP, die Klamotten mit großflächigen Motiven zu versehen. Keine Frage, doch wäre eine stärkere Auseinandersetzung um passende, ausdrucksstarke Motive zu finden, eine lohnende Aufgabe der Designer gewesen. Schade eigentlich.

Hin und wieder blitzen schöne Elemente durch. Wie ein Strickoberteil mit Fransen als Rock oder auch das ein oder andere Accessoire, wie schöne Taschen. Hier wird das Eigene, Authentische gezeigt. Oder auch im Wind flatternde Kleider und Kostüme. Für jede Frau wunderbar zum Tragen.

 

Die Idee mit dem Kragen und Rever als Schal. Eine Idee, richtig umgesetzt wäre wunderbar. Doch kaum eine Frau wird dies in dieser Form zu einem Abendkleid oder Kleid tragen. Dazu ist es in dieser Form nicht glamourös oder damenhaft genug. Es fehlt der Esprit um dieser Idee eine Aura des Verlangens, und des „Ich will es haben“ zu geben. Vielleicht ist an dieser Stelle der Unisex Gedanke auch einfach unangebracht, auch der Mann führte so ein Stück zur Schau. Die Gürtel dagegen waren echt nett. 80er like. Weit geschnittenes Kleid und mit dem breiten Gürtel die Form und Figur geben. Ein praktisches und schickes Element.

 

Die Männer gingen leider oder wie immer etwas unter in dem Trubel. Männer Mode bespielt ein eigenes Feld. Gestern zeigte ein Designer aus Chicago den Mann mit Anzug in drei viertel Hosen. Den Engländern wird ja die Tendenz, der in Deutschland sogenannten „Hochwasserhosen“, nachgesagt. Doch diese waren etwas zu hoch und die Form des Saccos nicht entsprechend zur Hose gestaltet. Somit ergab sich ein unharmonisches Bild.  Jeder Engländer würde die Nase rümpfen, sich elegant wegdrehen und gehen. Auch hier wieder: Schade eigentlich. Guter Ansatz, aber nicht wirklich richtig durchdacht und ausgearbeitet.

 

Die Designer lassen sich gerne und oft von der Vergangenheit inspirieren, nehmen diese als Vorbild in Form, Linie, Silhouette. Transformieren diesen Look in die heutige Zeit. Mit den aktuellen Materialien, Verarbeitungstechniken, den angesagten, zukünftigen Silhouetten und dem Zeitgeist. Leider sind die Designer der „Secret Fashion Show“ zu sehr in der Vergangenheit stecken geblieben oder haben sich nicht getraut dem Vergangenen im Heute ihren eigenen Ausdruck zu verleihen. Schade, denn dazu ist eine Show da. Um zu zeigen, was Design an Formen, Qualitäten, Looks ausmacht.

 

Weniger Show und mehr Fashion, getreu dem Motto: Weniger ist mehr, ist eine Überlegung wert.

Es wäre doch wunderbar, München bekäme eine qualitätsvolle Modenshow mit Eventcharacter. Der Rahmen dazu ist ja da. Hier und da ein paar Schrauben neu justieren und mit hochwertigem Inhalt füllen.

 

Der Veranstalter sollte das Konzept überdenken. Es würde sich sicherlich lohnen dieser Reihe – es war dies nun schon die achte Veranstaltung – ein Niveau für die Zukunft zu geben.

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Holger Sommer ist gelernter Couturier und ein kreativer Typ, der das Bild liebt. Das Bild an der Wand, wie auch das Bild das ein Mensch in der Klamotte darstellt. Und dieses gestaltet er sehr gerne als Stylist. Dabei stylt er Klamotten für den Menschen und nicht für den Trend oder das „Label“. So werden manche Designs extra angefertigt, aber auch selbst gekaufte Lieblingsstücke so zusammengestellt, dass das Outfit mit dem Typ/Menschen zusammen ein perfektes Bild ergibt. Aus den „Nebenprodukt“ – also aus den Stoffen, die unverarbeitet sind – entstehen dann neue Bilder. In einer eigens entwickelten Technik ergeben sich überwiegend graphische Motive und zwischendrin auch einmal ein Tierporträt. Um dem ganzen kreativen Input einen weiteren Ausgang zu geben fertigt er Zeichnungen an und schreibt u.a. für Fashionblogs und Magazine, wie auch für VOISZ.com

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