Dragqueen-Special: Foxy Few-shə

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© Foxy FEW-shə
© Foxy FEW-shə

Die Szene ist gespickt von bunten Personen, die uns begeistern und zahlreiche Veranstaltungen erst besuchenswert machen. VOISZ.com stellt Euch regelmäßig Dragqueens, Travestiekünstler und “bunte Vögel” aus der Communtiy vor. Wer steckt hinter den Personen, die uns so fazinieren, warum haben sie sich für diesen Schritt entschieden und wo können wir sie treffen?

Diesmal mit: Foxy Few-shə

Wie lautet dein echter Name?
Ben

Wie ist dein Künstlername entstanden?
Mehrere schlaflose Nächte, viele dämliche Alliterationen, mehrere verworfene Ideen – meine damals beste Perücke war fuchsiafarben. Heraus kam Foxy Few-shə (englische Lautschrift für die Farbe “Fuchsia”, gesprochen “fjuscha).

Wann und wie kam es dazu, dass du zur Dragqueen/Travestie wurdest?
Ich habe früher als Schauspieler gearbeitet und konnte damit eine alte Liebe zur Bühne und Verwandlung wiedererwecken. Plötzlich hat sich die Dame dann emanzipiert.

© Foxy FEW-shə
© Foxy FEW-shə

Was machst Du in deiner „Rolle“ als Dragqueen/Travestiekünstler?
Das Schöne an einer Drag Queen ist, dass man(n) in eine eine zweite Haut schlüpft, die theoretisch alles machen kann – mal abgesehen vom Talent. Foxy singt live und spielt, erzählt Geschichten auf der Bühne, in Clubs oder auf privaten Partys, hostet Veranstaltungen, steht im SUB hinter der Theke etc. Gleichermaßen vertrete ich eine politische Position, will die LGBTQ Community stärken und setze mich für Akzeptanz und soziales Engagement ein.

Und was arbeitest Du privat? 
Ich habe Literatur und Psychologie studiert und bin in der Kommunikationsbranche gelandet. Das Positive daran: Ich muss meine Kostüme nicht bei Kik kaufen.

Wie alt bist Du?
Entschuldigung, ich habe die Frage nicht verstanden…

© Foxy FEW-shə
© Foxy FEW-shə

Was macht dich als Dragqueen einzigartig?
Jeder Mensch ist einzigartig. Foxy kann nichts, das andere Queens nicht auch könnten. Manches eben ein bisschen besser, anderes weniger. Ich stehe für eine scharfe Zunge, Makeup-Präzision, ein großes Herz, noch größere Möpse und zurückhaltende Bescheidenheit. Vor allem singe ich immer live – und meistens gut.

Was umschreibt deine Rolle als Dragqueen am Besten?
Aufregend, erotisch, gewitzt, scharf und natürlich wahnsinnig talentiert.

Wo trifft man dich in der Szene?
Überall, wo die Stimmung gut ist und die Leute nett sind. Die Szenelokalitäten wurden in den letzten Jahren ja leider dezimiert. Meist Jenny TANZT, Jenny was a friend of mine, 8below, SUB, N.Y.club.

Wie hat dein Umfeld auf das Dasein als Dragqueen reagiert?
Das Umfeld hat sich mit Foxy positiv entwickelt. Unter den anderen Münchener Queens habe ich auch ein paar wirklich gute neue Freunde gefunden.

© Foxy FEW-shə
© Foxy FEW-shə

Die Standartfrage: Wie lange verbringst du vor dem Spiegel um dich als Dragqueen zu her zu richten?
Vom Mann zu Foxy brauche ich ca. 3,5 Stunden. Wenn ich mehr Zeit habe, bin ich erträglicher, bei Stress kaum auszuhalten…

Mit welchen Vorurteilen hast Du zu kämpfen und wie gehst Du damit um?
Vorurteile gibt es unzählige… Reichen von der Geschlechterfrage über sexuelle Vorlieben bis hin zu offenen Anfeindungen aus den unterschiedlichsten Ecken der Gesellschaft. Ich freue mich über offene Neugierde, da ist mir auch keine Frage unangenehm. Vorurteile sind leider menschlich, und das geistige Kleinbürgertum bekommt weltweit wieder Aufschwung. Da hilft nur Aufklärung, Geduld und eine Prise Kampfgeist für mehr Weltoffenheit.

Was macht Dir in der Rolle als Dragqueen am meisten Spaß?
Ein dankbares Publikum ist das Nonplusultra. Die Welt ist eine riesige Bühne.

© Foxy FEW-shə
© Foxy FEW-shə

Hast du ein Vorbild?
Ich liebe traditionellere Künstler wie Georgette Dee und ebenso moderne Queens wie Bianca del Rio, Jinkx Monsoon oder Alaska Thunderfuck. Was soziales und politisches Engagement angeht, haben Barbie Breakout in Deutschland oder Panti Bliss in UK viele bewundernswerte Projekte zum Leben erweckt. Katy Bähm ist für mich dezeit die Schönste unter den Queens und macht auch noch feine Perücken.

Ich habe neulich und seit langem wieder einmal eine sehr intime Show von Chris Kolonko gesehen und mich direkt neu verliebt. Medientechnisch machen in Deutschland Olivia Jones und Jurassica Parka einen tollen Job. Ich bin offensichtlich aber auch leicht zu begeistern.

Gab es Momente in denen du dich als Dragqueen unwohl gefühlt hast?
Ich wurde vor drei Jahren am CSD Sonntag von einer Gruppe Jugendlicher vom Sendlinger Tor bis zum Stachus verfolgt, beschimpft, mit Zigaretten beworfen und konnte mich glücklicher- und skurilerweise in eine “Free Palestina”-Demo retten, weil sehr netten Demonstrantinnen Fotos mit mir machen wollten. Man fühlt sich als Drag Queen in den gleichen Situationen unwohl, in denen man es auch als schwuler Mann tut – kann nur nicht schneller laufen. Als Person des öffentlichen Lebens und mit derartigem Makeup ist man nur noch etwas exponierter. Aber darauf Aufmerksamkeit zu lenken und für Gleichberechtigung und Akzeptanz zu kämpfen, sehe ich als eine der Pflichten einer Drag Queen. Drag ist eben nicht nur Spaß, wir haben von unseren Vorgänger- und Vorkämpferinnen eine Aufgabe geerbt. Queens waren schon immer an der Speerspitze der Schwulenbewegung: bunt, vielfältig, laut und außerhalb des Mainstreams. Wir sind dafür prädestiniert gegen Vorurteile zu kämpfen und der Welt da draußen zu zeigen, dass jedes Individuum einzigartig, liebenswert und zu respektieren ist.

Ihr wollt mehr über “Foxy Few-shə” erfahren? Folgt ihr online unter:
Foxy on Facebook: https://www.facebook.com/fuchsiafoxy/
Foxy on instagram: https://www.instagram.com/foxy_fewsha
Foxy on twitter: https://twitter.com/foxy_fuchsia
Foxy on YouTube: foxy-youtube

Interview by Timo Cavelius

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