“Bestandsaufnahme” by Louie Pacard

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Louie Pacard
Louie Pacard

Meine Lieben!

Es ist etwas her, als Ihr zuletzt von mir gehört habt. Sorry. Man nennt das wohl eine Schreibblockade. Nun gut. Die ist vorbei. Der CSD steht vor der Tür und natürlich, wie jedes Jahr, fragt man sich: Braucht es das noch?

Die letzten Jahre, war der CSD ja immer eine riesige Party. Doch, huch, was haben wir denn da jetzt für ein Motto: Gegen Rechts! Na endlich! 2017 ist ein Schicksalsjahr. In drei Monaten wird gewählt und ja, wir haben eine Mission: Es gilt, und das mein ich wirklich ernst, die AfD zu verhindern. Denn mal ganz im Ernst? Jede Stimme für diese ewig Gestrigen, ist eine Verlorene.

Es ist noch viel zu tun: Man könnte jetzt sagen, wir haben derzeit andere Probleme. Geschenkt. Was, zum Teufel, spricht dagegen, dass ich meinen Partner, den ich genauso liebe wie jeder Hetero seinen Partner liebt, vor den Altar zu holen? Was Bitteschön? Genau! Gar nichts! Bevor dieses Ziel nicht erreicht ist, muss es CSD’s geben. Gerne wieder politischer, gerne weniger nackt, gerne weniger Party! Ich sehe es wirklich nicht ein, dass wir auf dieses Grundrecht noch mal verzichten müssen. Hierfür muss gekämpft werden. Keinem tut das weh…absolut Niemandem!

 

Solange Homosexuelle im Glockenbachviertel vorm Prosecco ins Krankenhaus geschlagen werden, solange man uns Clubs wegnimmt und man auf den Strassen von München noch komisch angeschaut wird, muss es CSD’s geben. Ich schreibe für ein Partymagazin, natürlich, aber auch wenn Ihr keine Lust auf das Pridegetue habt: Ihr spielt in unserem Team. Ihr seid dafür verantwortlich, dass Ihr in Eurem privaten Umfeld aufklärt, für unser Standing werbt. Ihr seid Verbündete. Das seid Ihr!

Ich spüre am eigenen Leib, dass das noch eine weite Strecke ist. Selbst in meiner Umfeld gibt es noch Menschen, die Homosexualität als minderwertig ansehen und das ganze auch gerne mal ins lächerliche ziehen. Hey, hier MÜSST Ihr nicht politisch korrekt sein und es weglächeln. Nein, wieso solltet Ihr das tun? Ich will Euch nicht sagen, dass Ihr Eure Sexualität auf den Fahnen haben müsst, aber wieso denn dafür auch nur eine Sekunde schämen? Warum? Das ist verschwendete Lebensenergie. Niemand hat Euch da reinzureden.

Wie oft höre ich, dass wir keine schwulen Clubs und Parties mehr brauchen?! Wie oft höre ich, dass ja Heteros und Homos inzwischen super zusammen feiern können. Das gibt es sicher, keine Frage! Aber, habt Ihr schon mal in der Nachtgalerie (Hardcorebeispiel) einen Mann der Euch gefällt ,angelächelt? Uhhhhi….das kann echt nach hinten losgehen. Gerade wenn man jemanden kennenlernen will – und sich eben sicher sein möchte, dass ein Lächeln keine Ohrfeige bringt, muss es diese Schutzräume geben. Wir sind noch nicht soweit. Im Gegenteil. Für mein Empfinden dreht sich derzeit alles wieder ein Stück zurück.

Es ist vollkommen klar, Deutschland hat gerade wichtige Dinge auf der To Do Liste: Aber das heißt nicht, dass unser schon fast banal und vollkommen natürliches anmutendes Ansinnen auf Gleichberechtigung, hier durch den Rost fallen muss.

Erinnern wir die Mächtigen doch einfach mal wieder an uns. Es benötigt hier nur Überzeugsarbeit und den entsprechenden Willen. Ich wäre unfassbar stolz auf Deutschland, wenn man sich hier auch auf den Weg in eine moderne Gesellschaft machen würde. Deshalb ist es wichtig, dass es CSD’s gibt. Nach wie vor. Gestaltet Ihn wie Ihr wollt, nur lehnt es nicht ab. Im Endeffekt sitzen wir alle im gleichen Boot – und Keiner in diesem Boot, sollte das Wasser reinlassen.

Fühlt Euch umarmt – Happy Pride Euch allen!

Euer Louie

>>> Diese Kolumne erschien erstmals im Eventguide SzeneTimer nachzulesen unter www.szenetimer.de

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