Remember: Der Amoklauf im OEZ München vom 22. Juli 2016 by Isaihas Viñales

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Isaihas Viñales Foto: Jürgen Wiesmayer
Isaihas Viñales Foto: Jürgen Wiesmayer

Am 22. Juli 2016 gab es in München den Amoklauf rund um das Olympia Einkaufzentrum, kurz OEZ. Eine Tat, die bis heute die Stadt bewegt. Unser Gast-Autor war an diesem tragischen Tag in München unterwegs und beschrieb damals eindrucksvoll die Stimmung und seine Erlebnisse an diesem Tag, der die Stadt kurzfristig lähmte. Jährlich teilen wir seinen Beitrag als Erinnerung an diese grausamen Stunden.

„Save?- Save!, save?- save!“ Das waren am Freitag, den 22. Juli 2016 die einzigen Nachrichten die ich erhalten und gesendet habe. Selbst als ich durch die Straßen ging, am Sendlinger Tor, und in die Gesichter sah, sah ich Menschen die sich verändert haben. Ein sich umschauender Blick, Unsicherheit, Angst und vor allem ein permanentes Unwohlsein. Dieses Gefühl erlebte ich vor 14 Jahren auch in Chile. Damals gab es eine sehr hohe Kriminalitätsrate. 6 tote jede Nacht. Uns hat man als Kinder gesagt: „Wir gehen nach Deutschland, dort hat man eine Zukunft dort hat man Perspektiven dort hat man Sicherheit.“

Sicherheit?! Wenn ich in die Gesichter meiner lieben Mitmenschen sehe ist dieser Gedanke weit weg von der  Realität. Erschreckender waren noch die hass Botschaften im Internet. Als ich das alles las dachte ich unweigerlich  an Paris und dem jetzt alleinerziehenden Vater der öffentlich machte, dass er den Amokläufern verzeihen würde.  Dass er sein Sohn nicht in Hass aufziehen will, denn Hass führt zu mehr Hass und führt zu Gewalt und diesen  Teufelskreis möchte er hier und jetzt beenden.

Wenn ich jetzt am Stachus vorbeifahre schießt mir ein Gedanke unweigerlich in den Kopf. Kein Mensch wusste ob  die Medien was verschweigen. Waren am Stachus, Odeonsplatz, Viktualienmarkt und Tollwood auch Anschläge? Zu diesem Zeitpunkt konnte keiner das bestätigen. Ich war am Hauptbahnhof in einem Gebäude als die Nachricht uns ereilte. Ich entschied mich später selber nach meinen Kolleginnen zu sehen. Da man mir berichtet hatte das einer meiner Kollegen beinahe einen Nervenzusammenbruch erlitten hatte. Die Stadt war still, keine lachenden Menschen keine Kinder, nur Polizisten die wie von Geisterhand in ihre Positionen gelenkt wurden.

Da war es wieder mein Unwohlsein von vor 14 Jahren. Ich merkte das mein Körper einfach nur das tat was es gelernt hatte. Zu funktionieren. Hauptbahnhof-Stachus-Kollegen-beruhigen-sie alle in Sicherheit wissen. Eine Ordnung und Ruhe die ich nur selten von mir kannte. Nachdem ich allen geschrieben hatte und auch meine Aufgaben erfüllt hatte blieb ich bei einem Freund.

Dann trotz toter Gesichter, ein Lichtblick. Zwei Polizisten die in ihrer Umgebung eine Sicherheit ausstrahlten die für jeden fremd geworden schien. Bevor ich geistig da war bewegten sich meine Lippen und formten ein DANKE!

Sie lächelten zurück und auch ich wusste: Jetzt bin ich SAVE!

Isaihas Viñales ist Barkeeper in NY.Club und der Sinners, Model & Tanzlehrer. Im Juni 2015 war er Covermodel des SzeneTimer. Am 22. Juli 2016 war er im Zentrum von München und berichtet uns mit seinem Gastbeitrag von seinem Erlebnis.

ERSTVERÖFFENTLICHUNG: 23. Juli 2016

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